DAS EFFIZIENZHAUS 40 NH

Förderprogramm Effizienz­haus 40 mit Nachhaltig­keitsklasse

Seit dem 21.04.2022 sieht die Bundesregierung in der Richtlinie zur Bundesförderung effizienter Gebäude (BEG) für den Neubau oder Kauf eines Eigenheims nur noch Fördermittel vor, wenn das Anforderungsprofil "Effizienzhaus-Stufe 40 Nachhaltigkeit" erfüllt wird. Andere Effizienzhausstufen, die noch zu Beginn des Jahres 2022 gefördert wurden, sind nicht länger förderfähig. Da die erneuerbaren Energien bei der Wärmeversorgung von Häusern bereits standardisiert sind, rückt die Nachhaltigkeit der Bausubstanz in den Fokus des staatlichen Geldgebers. Das stellt private Bauherren vor neue finanzielle Herausvorderungen. Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen welche Bundesförderungen zur Verfügung gestellt werden, welche Anforderungen zu beachten sind und wie der Ablauf einer Fördermittelbeantragung aussieht.

GEFÖRDERT WIRD EINE KOMBINATION AUS EFFIZIENZ UND NACHHALTIGKEIT

Die bisherige Förderrichtline der KfW und die dort abgebildeten Anforderungen haben sich weitestgehend auf die Effizienz eines Gebäudes bezogen. Im Bereich der Gebäudehülle mussten die Dämmstoffe ausreichend dimensioniert werden um die Wärmeverluste möglichst stark zu reduzieren. Bei der Anlagentechnik wurde anhand des Primärenergiefaktors sichergestellt, dass bei der Wärmeerzeugung regenerative Energieträger in das Konzept eingebunden werden. Diese Anforderungen bleiben auch weiterhin bestehen und bilden den Teil "Effizienzhaus 40". Hinzu kommen jedoch weitere Bedingungen, die sich in dem Teil "Nachhaltigkeitsklasse" wiederfinden, wenn der Bauherr noch einen staatlichen Zuschuss für sein Vorhaben in Anspruch nehmen will.

WAS BEDEUTET NACHHALTIGKEITSKLASSE?

Was bedeutet die Nachhaltigkeitsklasse?
Die Nachhaltigkeitskriterien behandeln Themenfelder, denen in vorangegangenen Förderrichtlinien keine Beachtung geschenkt wurde. Diese Kriterien lassen sich in die folgenden Bereiche aufteilen

Ökologische Qualität

  • Treibhauspotenzial
  • Nachhaltige Materialgewinnung
  • Trinkwasserbedarf und
  • Abwasseraufkommen
  • Flächeninanspruchnahme
  • Wirkung auf die globale und lokale Umwelt
  • Ressourceninanspruchnahme

Ökonomische Qualität

  • Anpassungsfähigkeit
  • Flächeneffizienz
  • Wirtschaftlichkeit und Wertstabilität
  • Lebenszykluskosten

Soziokulturelle und funktionale Qualität

  • Innenraumlufthygiene
  • Akustischer Komfort
  • Barrierefreiheit
  • Mobilitätsinfrastruktur
  • Gesundheit, Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit
  • Funktionalität
  • Sicherung der Gestaltungsqualität

Technische Qualität

  • Schallschutz
  • Reinigungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit
  • Technische Ausführung

Prozessqualität

  • Planung
  • Bauausführung

Standortmerkmale

  • Verkehrsanbindung

Neben der Erneuerbaren Energie als Wärmeerzeuger hat der Bund in seinen Förderprogrammen die Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien und der Prozesse beim Neubau von Wohngebäuden stärker in den Fokus genommen. Seit August 2022 erhalten daher viele Bauherren neuer Eigenheime weniger Geld vom Staat, dafür kommen mehr Sanierungswillige Hausbesitzer in den Genuss der Fördermittel.

WELCHE FÖRDERUNG FÜR DEN BAU ODER KAUF VON EFFIZIENTEN GEBÄUDEN GIBT ES VOM STAAT?

Mit der Reform der Richtlinie (BEG) für den Bau oder Kauf von energieeffizienten Häusern sind die Förderprogramme der BAFA gestrichen worden. Für den Neubau oder den Erwerb eines modernen Effizienzhauses (EH40 NH) steht damit ausschließlich die staatliche Zuschuss-Variante in Verbindung mit einer Finanzierung über einen KfW Kredit zur Verfügung (KfW Programm 261).
Folgende Konditionen sind in dem Programm festgelegt:

  • Effektiver Jahreszins
    ab 0,01 % (die aktuellen Zinssätze können auf der Seite der KfW abgerufen werden)
  • maximaler förderfähiger Kredit Betrag:
    120.000 Euro je Wohneinheit
  • Tilgungszuschuss:
    5% ► maximal 6.000 Euro je Wohneinheit

WIE, WO UND WANN MUSS DER ANTRAG GESTELLT WERDEN, UM EINEN ZUSCHUSS ZU ERHALTEN?

Ablauf der Fördermittelbeantragung


Einbindung eines Energieberaters und Auditors für Nachhaltigkeit

Um in den Genuss der staatlichen Förderung zu kommen, ist nach wie vor die Einbindung eines Energieeffizienz Experten erforderlich. Dieser übernimmt die folgenden Teilleistungen:

  • Entwicklung eines energetischen Konzepts das den Anforderungen "EH 40" gerecht wird
    • Ausführung der Gebäudehülle
    • Ausführung der Anlagentechnik (Heizung, Lüftung, Stromerzeugung)
  • Antragstellung
    • Bereitstellung der Bestätigung zum Zuwendungsantrag (BzA-ID)
  • Ausarbeitung der benötigten Dokumentation
  • Baubegleitung zur Dokumentation der Ausführung
  • Bestätigung der korrekten Ausführung gegenüber der Kreditanstalt
    • Bereitstellung der Bestätigung nach Durchführung (BnD-ID)

Hinzu kommt der Nachweis zur Nachhaltigkeitsklasse. Das benötigte QnG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) -Zertifikat kann von verschiedenen Zertifizierungsstellen zur Verfügung gestellt werden.Als Schnittstelle zwischen Bauherren und Zertifizierungsstelle ist die Beauftragung eines Auditors erforderlich. Schon vor der Antragstellung bei der Keditanstalt für Wiederaufbau sollte eine Ersteinschätzung durch den Auditor erfolgen. Außerdem sollte zum Zeitpunkt der Antragstellung ein Nachweis vorliegen, der das Mitwirken eines Auditors bestätigt.

Konzepterstellung

Der Energieberater erstellt ein softwaregestütztes 3D-Modell. Hierzu werden die Grundrisse und Schnitte zu der Immobilie benötigt. Im Anschluss werden die geplanten Bauteilaufbauten auf das 3D-Modell übertragen. Durch die anschließende Simulation wird schnell sichtbar ob die Anforderungen an die Gebäudehülle (Transmissionswärmeverluste) eingehalten werden. Falls die Voraussetzungen nicht erreicht werden, muss nachgebessert werden. Dies passiert am besten in Abstimmung mit dem beteiligten Architekten. In einem zweiten Schritt wird die Anlagentechnik (Wärmeerzeuger, Lüftungsanlage, Stromerzeugung- und speicherung) eingepflegt. Durch eine erneute Simulation wird deutlich, ob der benötigte Primärenergiefaktor erreicht wird. Die beiden Kategorien Transmissionswärmeverlust und Primärenergiefaktor sind entscheidend für die EH Stufe 40. Parallel kann der Auditor die benötigten Daten für eine erste Einschätzung der Zertifizierbarkeit erheben. Anhand der Herstellerangaben wird geprüft, ob die festgelegten Baustoffe die Bedingungen (z.B.: Lösungsmittelanteil) erfüllen. Sollte der Auditor bereits zu diesem Zeitpunkt Bedenken anmelden, muss das Konzept entsprechend angepasst werden.Wenn das Gesamtkonzept laut Energieexperte (EH40 NH) und Auditor (Nachhaltigkeitsklasse) den jeweiligen Anforderungen gerecht wird, kann die Antragstellung erfolgen.

Antragstellung

Aus dem zuvor erstellten 3D-Modell wird eine Datei exportiert. Diese Datei enthält alle relevanten Daten zur geplanten Ausführung. Zusammen mit den Angaben zum Antragsteller, den Angaben zum Investitionsobjekt und einer Angabe zur Höhe der geplanten Kosten werden diese Daten in das Antragsformular der KfW überführt. Nach einer automatischen Plausibilitätsprüfung kann das Dokument "Bestätigung zum Antrag" erstellt werden. Dieses Dokument muss der Antragsteller an die zuständige Hausbank weiterleiten. Die Hausbank leitet die Beantragung mit der Antragsnummer (BzA-ID) weiter an die Kreditanstalt. Nun ist der Antrag gestellt und die Ausführung kann beginnen. Der Kreditbetrag wird bereitgestellt und kann ab jetzt als Gesamtsumme oder in Teilbeträgen abgerufen werden. Während der tilgungsfreinen Laufzeit (je nach Vereinbarung mit der Hausbank) zahlen lediglich die Zinsen auf die ausgezahlten Kreditbeträge.

Fachplanung und Nachweisführung

Gemäß der Förderrichtline sind folgende Nachweise zu erbringen:

Auch wenn diese Unterlagen nicht unmittelbar von der KfW angefordert werden, empfiehlt es sich diese Teilleistungen bereits vor Baubeginn zu erbringen. Nur so können kritische Ausführungsdetails frühzeitig erkannt und bei der weiteren Planung berücksichtigt werden.

Bauphase

Während der Bauphase muss eine Dokumentation erstellt werden. Die Ausführung von Bauteilen, die zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr einsehbar sind, muss durch aussagekräftige Fotos dokumentiert werden. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die Bauausführung der beantragten Qualität entspricht. Das betrifft die Anfordergen des Effizienzhauses genauso wie die Anforderungen an die Nachhaltigkeit.
Zum Ende der Bauphase (luftdichte Ebene ist fertig) kann die Blower-Door-Messung erfolgen. Durch diese Messung wird geprüft, ob die angestrebte Luftdichtheit erreicht wurde. Gleichzeitig dient diese Maßnahme zur Lokalisierung von Leckagen in der luftdichten Ebene.
Vordem Bezug der Wohnungen wird eine Messung der Luftqualität durchgeführt um die Schadstoffbelastung innerhalb der Wohnräume zu prüfen. Das Messergebnis wird mit den Anforderungen des QNG-Siegels abgeglichen.

Bestätigung nach Durchführung

Sobald das Gebäude fertiggestellt wurde, müssen alle Unterlagen, die für eine vollständige Dokumentation erforderlich sind, zusammengestellt werden. Noch einmal wird geprüft, ob das fertige Gebäude dem beantragten Standard entspricht. Die Dokumentation des Auditors wird an die Zertifizierungsstelle weitergeleitet. Die Zertifizierungsstelle prüft die eingereichten Unterlagen. Nach erfolgreicher Prüfung stellt die Zertifizierungsstelle das QNG-Siegel aus.
Im Anschluss kann der Energieberater das Dokument "Bestätigung nach Durchführung" (BnD-ID) erstellen. Anhand dieses Formulars wird bestätigt, dass die Effizienzhaus Stufe 40 erreicht wurde und die Nachhaltigkeitsklasse anhand des QNG-Siegels bescheinigt wurde. Die BnD wird nun über Hausbank an die KfW weitergeleitet. Nach positiver Prüfung durch die KfW erfolgt die Gutschrift des Tilgungszuschusses.

Finanzdienstleistungen
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WAS SIND DIE VOR-UND NACHTEILE DER NEUBAUFÖRDERUNG?

Wer die Anforderungen der "Effizienzhaus Stufe 40 Nachhaltigkeitsklasse" bei seinem Bauvorhaben einhalten und die verfügbaren Fördermittel beantragen möchte, sollte die folgenden Mehrkosten bei der Kalkulation berücksichtigen:

  • Höhere Baukosten im Vergleich zu den gesetzlichen Mindestanforderungen (bauen gemäß GEG- Anforderungen)
  • Höhere Anforderungen an die Dämmmaßnahmen
  • Höhere Anforderungen an die Anlagentechnik
  • Zusätzliche Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit
  • Baubegleitungskosten (50% werden im Rahmen der Förderung erstattet)
  • Einbindung eines Energieberaters
  • Einbindung eines Auditors
  • Kosten für die Zertifizierungsstell

Das Verhältnis zwischen der verfügbaren Förderung (max. 24.000 € je Wohneinheit) und den oben aufgeführten Mehrkosten kann von Vorhaben zu Vorhaben variieren.

Neben dem Tilgungszuschuss sprechen folgende Argumente für die Errichtung effizienter Gebäude (nach BEG) mit Nachhaltigkeitsklasse:

  • Reduzierung der laufenden Kosten durch geringere Wärmeverluste und eine energieeffizientere Anlagentechnik
  • Höhere Unabhängigkeit von Energieversorgern durch die Einbindung regenerativer Energieträger
  • Höhere Lebensqualität durch Minimierung der Lärm- und Schadstoffbelastung
  • Höhere Funktionalität
  • Barrierefreiheit

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Alexander Lückge B.Eng.
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